ST 325

In den heiligen (Lager-) Hallen von speaker trade in Solingen, Vertrieb von mivoc, Raveland und Ravemaster gibt es eine ganze Reihe von sehr guten und preisgünstigen Chassis, auch weniger bekannte. Drei von diesen bilden die Bestückung der 3-Wege Standbox ST 325. Der Frequenzbereich ist sauber aufgeteilt. Der Bass wird vom 25 cm Chassis Ravemaster VXT 104 und der Mitteltonbereich von zwei mivoc WPJ 108 S mit je 10 cm Grösse übernommen. Für die hohen Frequenzen ist die 25 mm Seidenkalotte  Raveland THX 258 zuständig. Das besondere an der ST 325 ist aber nicht, dass gleich drei verschiedene Marken sich die Arbeit teilen, sondern der Preis. Alle Chassis für eine Box plus Terminal für 39,- Euro. Ist das nun Schrott oder einfach nur ein guter Kurs.

Nun, auf dicke Gusskörbe und HiTech-Membranen muss verzichtet werden. Zu kleine Magneten, schlechte Verarbeitung oder Wellaform-Frequenzgänge gibt es bei den verwendeten Chassis allerdings nicht. Ein gutes Beispiel dafür gibt der THX 258 ab. Getestet in Ilmag-Ausgabe 7 weist dieser einen sehr linearen Frequenzgang und sehr niedrige Klirrwerte auf. Der WPJ 108 S ist ein 10 cm Chassis mit PP-Membran und geschirmten Magnetsystem. Der Antrieb ist nicht sehr stark, reicht aber für einen Schalldruck von 84 - 85 dB aus. Die Resonanzfrequenz liegt bei etwa 100 Hz womit sich der WPJ 108 S auch unter Berücksichtigung der max. linearen Auslenkung von +/- 1.25 mm als Mittelton- system oder als Tief-Mitteltonchassis in kleinen Satelliten eignet. Der Frequenz- gang läuft bis ca. 3 kHz sehr linear und produziert kleinere Schweinereien erst jenseits von 5 kHz. Der VXT 104 besitzt die gleiche beschichtete Papier- membran, die auch in den hochwertigen Chassis der BSW Reihe eingesetzt wird. Die Schwingeinheit ist mittelhart eingespannt. Die 50 mm Schwingspule ist mit 14 mm zwar etwas kürzer als bei den BSW Chassis gewickelt, der lineare Hub liegt aber trotzdem noch bei +/- 4 mm. Auf eine 20 mm Polkernbohrung, eine nach hinten ausgestellte T-Platte und einen kräftigen Magneten wurde auch nicht verzichtet. Die Parameter fs = 29.5 Hz, Qts = 0.39 und VAS = 102 Liter erlauben problemlos vernünftige Abstimmungen in Reflexgehäusen. So günstig werden die Chassis allerdings nur in diesem Set angeboten, rechnet man die Einzelpreise zusammen, kommt man auf fast das Doppelte  - ohne Terminal.

Eine fertige Frequenzweiche wird nicht angeboten. Diese muss selber zusammengestellt und gelötet werden. So hat jeder die Möglichkeit, eventuell vorhandene Bauteile zu verwerten, Hi-End Spulen und Kondensatoren zu verwenden, Platine oder freie Verdrahtung zu bevorzugen. Die Kosten der von speaker trade verwendeten Bauteile liegen bei ca. 25,- Euro pro  Weiche. Das gleiche gilt für Dämm-Material und Kabel. Auch hier stehen alle Möglichkeiten einschliesslich Recycling offen.

Frequenzgang, Wasserfall

Frequenzgang,
Wasserfall

Impedanz, Klirrfaktor

Impedanz,
Klirrfaktor

Frequenzweiche

Frequenzweiche

Bauplan

Bauplan

Gehäuse
Die Behausung der ST 325 ist als schlanke Standsäule mit 110 cm Höhe und 23 cm Breite ausgeführt. Der VXT 104 findet auf der Seite seinen Platz, Mittelton- systeme und Hochtöner bilden auf der Front eine D’ Appollito Anordnung. Der umbaute Raum des Gehäuses liegt bei ca. 68 Litern, von denen etwa 57 Liter dem Basschassis zur Verfügung stehen. Für die Mittel-Hochton Abteilung stehen ca. 5 Liter zur Verfügung. Entsprechend dem Preis der Bestückung ist das Gehäuse nicht das Ergebnis einer Materialschlacht. Um dennoch den optischen Eindruck einer Kiste weiträumig zu umgehen, besteht die Front aus Multiplex, flankiert von schwarz gebeizten Seiten. Das Basschassis auf der einen Seite wird grosszügig von einer mit Stoff bespannten Holzplatte abgedeckt, die fast 80 Prozent der Fläche einnimmt. Als Reflexkanal dient ein einfaches Brett, inklusive Rückwand 239 mm lang, das zusammen mit dem Boden der Box einen Kanal mit über 61 cm² Fläche bildet, was ausreichend dimensioniert ist und einem Rohr mit 9 cm Innendrucrhmesser entspricht.

Messergebnisse
Das gutmütige Verhalten der verwendeten Chassis zeigt sich in einem trotz einer einfachen 12 dB Weiche ohne jegliche Korrektur- massnahmen ausgeglichenen Frequenzgang ohne Überhöhungen oder ausgeprägte Senken.

Die Impedanz der ST 325 liegt bei 4 Ohm mit einem Minimum von 3.6 Ohm bei 400 Hz und ist damit vollkommen unkritisch für alle 4 Ohm Verstärker. Das Bassreflexgehäuse ist auf ca. 28 Hz abgestimmt.
Einen sehr guten Eindruck hinterlässt die Klirrfaktormessung. Sowohl K2 wie auch K3 sind über 500 Hz bei 90 wie auch bei 100 dB mittlerem Schalldruck zu vernachlässigen. Und erst bei 100 dB überschreitet der Klirrfaktor 3ter Ordnung die 1 % Marke bei 200 Hz und unter 50 Hz. Die kleine Klirrspitze bei 200 Hz dürfte wohl auf das Konto der Mitteltonsysteme gehen, ist aber selbst bei 100 dB absolut unkritisch. Der 12 dB Hochpass für die Mitteltonsysteme schottet diese also ausreichend gegen tiefe Frequenzen ab. Auch der 25 cm Bass ist so schnell nicht in die Predouille zu bringen. 100 dB sind schon eine richtig heftige Lautstärke, sollten aber mit einer 3-Wege Box mit 25er Tieftonsystem schon machbar sein. Und die ST 325 lässt sich da nicht lumpen.

Klang
In der von speaker trade gewählten Abstimmung ist eine nur leicht zum Hörplatz angewinkelte Aufstellung sinnvoll, mit einem Abstand der Boxen von ca. 2.5 m oder mehr zueinander. Als erstes fällt eine ziemlich trockene Basswiedergabe auf, die kein bischen über- zogen, fast schon zurückhaltend ist. Soll es allerdings tief in den Frequenzkeller herunter gehen, beweist der VXT 104 durchaus, das er kein kleines Basschassis ist und so einiges an Luft bewegen kann, spürbar. Nebengeräusche aus dem Reflexkanal lassen sich nicht feststellen. Die Hochtonwiedergabe ist sauber, angenehm ohne jegliches Zischeln und wirkt trotz leichter Anhebung nicht übertrieben oder gar dominant.

Der Frequenzgang des Bass- chassis wurde direkt im Nahfeld gemessen, da er für 1 m Messent- fernung durch die seitliche Position zu weit von der Mittelhochton- Abteilung weg liegt. Infolge dessen ist der gemessene Pegel im Mittel- tonbereich deutlich höher, als am Hörplatz Oberhalb von ca. 500 Hz dringt der Schall kaum noch direkt zum Hörplatz.
Das Rundstrahlverhalten der ST 325 ist gut. Im Wasserfalldiagramm sind keine grösseren Resonanzen festzustellen, oberhalb von 1 kHz schwingt die ST 325 sehr schnell aus.

Auch der Mitteltonbereich bietet keinen Anlass zur Kritik, kein Näseln oder andere Unanständigkeiten, die man vielleicht ange- sichts des Preises erwartet hätte. Die Ab- stimmung ist sehr neutral. Hinzu gesellt sich eine realistische räumlich Wiedergabe.

Bei einem Chassis-Preis von nichtmal 40,- Euro je Box lässt sich mit der ST 325 ein grosses 3-Wege System für unter 100,- Euro pro Seite inkl. Weiche, Holz und Zubehör realisieren, ohne  auf Dynamik, Bass oder eine ausge- glichene Wiedergabe verzichteten zu müssen.

Reflexkanal aus Holz. Ein- faches, aber solides Terminal.

Über den Widerstand im Hochpass des THX 258 lässt sich die Hochtonwiedergabe recht gut steuern. Mit 4.7 Ohm ergibt sich eine leichte Höhenanhebung. Mit 3.3 Ohm kann der Brillianzbereich noch ein wenig angehoben werden, mit 5.6 oder 6.8 Ohm wird der Hochtonanteil etwas gesenkt.

ST 325

Preis Chassis-Set inkl. Terminal: ca. 39,- € / Box, Vertrieb: speaker trade, Solingen
Preis Weiche und Dämmvlies: ab ca. 30,- Euro / Box

Drei-Wege Standbox mit Sidebass (Bauvorschlag)
Bestückung:
25 cm Tieftonsystem, zweimal 10 cm Mitteltonsystem, 25 mm Hochtonkalotte
Impedanz: 4 Ohm, Belastbarkeit: 120 Watt R.M.S.
(Herstellerangabe)
Masse: (BxHxT mm): 230 x 1100 x 400
 

  • + ausgeglichene Wiedergabe, trockener, aber recht tiefer Bass
  • + alle Chassis für nicht mal 40,- Euro - preisgünstiger geht es wohl kaum noch

Die mit Stoff bespannte Abdeckung nimmt fast die ganze Seite ein.

Zu den Neodym Chassis

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